Nia

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~ Happy reading ~

 

 

Down London Road - Samantha Young 3,5 Stars/3,5 Sterne
In Down London Road, dem zweiten Band der On Dublin Street-Reihe, geht es um Jo (Johanna Walker), Joss Freundin aus dem Club 39, und Cam (Cameron MacCabe). Beide finden sich zu Beginn unausstehlich, obwohl sie die sexuelle Anziehungskraft zwischen sich nicht verleugnen können. Doch Jo ist mit dem reichen Geschäftsmann Malcom liiert und möchte sich die Beziehung auch nicht kaputt machen lassen. Cam ist der Freund von Malcoms Exfreundin und Künstlerin Becca - auf einer Vernissage begegnen sie sich zum ersten Mal. Cam benimmt sich gegenüber Jo allerdings wirklich unmöglich und strahlt mit jedem Wort und jeder Geste seine Vorurteile aus. Als er endlich merkt, dass hinter Jo mehr steckt, als eine geldgierige Sirene, hat er einiges gut zu machen. Doch hinter Cam steckt ebenfalls mehr, als nur das Arschloch, dass man zu Beginn zu sehen bekommt.

Jo hat ihre eigenen Probleme, als Cam in ihr Leben platzt. Sie hat wirklich ein extrem niedriges Selbstwertgefühl: Kein Wunder, wurde ihr doch von Kindesbeinen an klar gemacht, dass sie nichts wert sei. Verbunden mit den schlagkräftigen Argumenten ihres Vaters hat das bleibende, seelische Schäden hinterlassen. Und obwohl Jo immer wieder auf die Suche nach reichen Freunden geht und deren Geschenke solange annimmt, wie die Beziehung dauert (danach gibt sie sie entweder zurück oder verkauft sie bei ebay) hat sie das Herz am rechten Fleck. Sie arbeitet wie verrückt, um mehr als liebevoll für ihren kleinen Bruder Cole sorgen zu können. Denn ihre Mutter, eine schwere Alkoholikerin, bekommt schon seit Jahren nichts mehr auf die Reihe und profitiert schamlos von Jos Führsorge.

Um es gleich vorwegzunehmen: Down London Road kann nicht an seinen Vorgänger On Dublin Street heranreichen. Zwar ist das Buch gut geschrieben und auch unterhaltsam, doch ich hatte so meine Schwierigkeiten mit den beiden Protagonisten:
Bis Cam mir sympathisch wurde, hat es wirklich lange gedauert und auch dann hat er immer wieder so Aussetzer, die einen die Stirn runzeln lassen. Ich erwarte einfach mehr von einem Mann, mit einer solchen Vergangenheit und einem Hobby, dass eine positive Einstellung zum Leben erfordert.
Jos Mangel an Selbstbewusstsein war zwar nachvollziehbar, aber auf Dauer einfach anstrengend. Warum macht sie sich selbst das Leben so schrecklich schwer? Falscher Stolz und mangelndes Selbstbewusstsein sind in jedem Fall eine fatale Kombination und machen Down London Road an einigen Stellen wirklich schwer verdaulich.
Schade fand ich auch, dass die prickelnden erotischen Szenen meiner Meinung nach nicht besonders abwechslungsreich waren. Kann gut sein, dass ich da inzwischen etwas zu anspruchsvoll bin, aber bis auf ein oder zwei Stellen las sich das alles irgendwie gleich. Auf ein schönes Gänsehautgefühl habe ich jedenfalls vergeblich gewartet. Dabei lag es nicht an der Masse: Nachdem Jo und Cam erst mal zueinander gefunden habe, wollen sie sich immer und überall. Und ja, Jos Höschen sind meist nass und Cam ist bestens bestückt, aber das ist trotzdem zu wenig für eine Contemporary Romance-Geschichte mit hohem Erotikanteil.

Doch es gab auch Lichtblicke in Down London Road: Natürlich waren das die Zusammentreffen mit Joss und Braden. Auch Mike und Olivia konnten mich als Charaktere überzeugen. Doch meine beiden absoluten Lieblinge waren Ellies kleine Schwester Hannah und Jos kleiner Bruder Cole. Die zwei sind so was von knuffige Teenager - da kann man sich nur wünschen, dass die eigenen Kinder zu ähnlich liebenswerten und lustigen Menschen heranwachsen.

Fazit: Es ist einfach schwierig, wenn die beiden Hauptcharaktere eines Buches einen nicht so richtig für sich einnehmen können. Da wird man automatisch auch bei allem anderen kritischer. Leider war Down London Road von Samantha Young so ein Fall für mich. Ich hoffe, der nächste Band der Reihe, der im Frühjahr (?) 2014 erscheinen soll und Olivias Geschichte erzählt, kann dann wieder vollständig überzeugen.