Nia

Nia

~ Happy reading ~

 

 

Open Minds - Susan Kaye Quinn Kira ist eine Zero. Weder kann die 16-Jährige Gedanken lesen noch können ihre Gedanken von anderen gelesen werden. In einer Welt, in der Gedankenlesen Alltag ist, werden Zeros mit Misstrauen und Abscheu betrachtet. Schließlich kann man denjenigen, in deren Geist man nicht hineinsehen kann, nicht vertrauen.
Seitdem sich vor etwa vier Generationen die ersten Mindreader entwickelt haben, verfügen nahezu alle erwachsenen Menschen über diese Fähigkeit. Meist zu Beginn oder während der Pubertät entwickelt sich das Hirn weiter und damit werden die jungen Mindreader zu vollständigen Mitgliedern dieses zukünftigen Amerikas.
Kira schwankt zwischen Hoffen und Bangen. Hoffnung darauf, dass sie einfach ein Spätzünder ist und ihre Fähigkeit, Gedanken zu lesen, noch auftaucht. Bangen darum, dass sie eine Zero bleibt und ihr im Leben und im Job viele Wege verschlossen bleiben werden. Denn die Zeros stehen ganz unten in der Hierarchie.

Als ihr bester Freund und heimlicher Schwarm Raf ihr einen Kuss stehlen will, passiert etwas Unerwartetes. Da Beziehungen zwischen Readern und Zeros nicht erlaubt sind, versucht Kira ihn abzuwehren - mit ihrem Geist. Und plötzlich liegt Raf bewusstlos neben ihr und Kira hat keine Ahnung, wie das passiert ist. Da ihr Geist anscheinend eine Gefahr für sich und andere darstellt, versucht sie Raf aus dem Weg zu gehen. Mit ihrem Verhalten weckt sie das Interesse des undurchsichtigen und zwielichtigen Simons. Simon weiß, was Kira ist - ein Mindjacker. Mithilfe ihres Geistes können Mindjacker nicht nur in die Gedanken der Mindreader eindringen, sondern sie nach Bedarf verändern. Simon weiß auch, dass Kira ein besonderer Jacker ist. Schließlich bleibt ihm ihr Geist vollständig verschlossen - eine Tatsache, die auch bei Jackern nicht alltäglich ist. Kira muss auf eine ziemlich harte Tour lernen, dass es mehr als nur zwei Jacker gibt und dass einige keine Skrupel haben, ihre Kräfte zu ihren Gunsten einzusetzen...

Open Minds hat mich vollkommen umgeworfen. Das ganze Konstrukt um die Mindjacker und Mindreader ist unglaublich faszinierend und von Susan Kaye Quinn sehr gut umgesetzt worden. Es ist schon alleine total spannend zu lesen, wie sich eine Gesellschaft verändert, wenn fast alle Menschen Gedanken lesen können.
Ein weiterer Pluspunkt dieses Buches: es ist nur wenig vorhersehbar. Immer wenn man denkt, jetzt läuft es auf dieses oder jenes hinaus, passiert etwas anderes. Insgesamt hat mich Open Minds beim Lesen wirklich oft überraschen können.
Das Beste an diesem Buch ist aber eindeutig seine Protagonistin Kira. Die ist zwar alles andere als perfekt und lässt sich gerade zu Beginn ziemlich leicht blenden und benutzen. Doch Kira ist ein ziemlich schlaues Mädchen, dass versucht, ihr Tun und Lassen zu reflektieren. Mit dem Entdecken ihrer Fähigkeiten stürzt Kira in einen ordentlichen Gewissenskonflikt, weil sie sich nicht klar ist, in welchem Maße sie den Gebrauch ihrer Gabe vor sich selbst verantworten kann. Denn das ist natürlich eine der entscheidenden Fragen mit denen sich Kira und der Leser in Open Minds auseinander setzen müssen: Wie weit gehst du, wenn du andere komplett nach deiner Pfeife tanzen lassen kannst, ohne das die es überhaupt merken?

Zudem ist das Buch sehr mitreißend geschrieben. Das liegt sicher zu einem Großteil daran, dass Susan Kaye Quinn es in der Ich-Perspektive geschrieben hat. So entwickelt man sich als Leser zusammen mit Kira von einem Zero zu einem fähigen Mindjacker - allerlei Kämpfe inbegriffen. Darüber hinaus bietet das Buch gleich mehrere Bösewichte an, deren Bösartigkeit gar nicht immer sofort offensichtlich ist oder aber deren Intentionen man als Leser zum Teil sogar nachvollziehen kann. In der Mindjack Trilogy-Reihe ist die Welt nicht nur schwarz oder weiß.
An Open Minds habe ich wirklich fast nichts auszusetzen. Etwas gewöhnungsbedürftig war für mich zu Beginn, dass Kira so wenig ans Morgen denkt. Auch in der größten Bredouille macht sie einen Schritt nach dem anderen und hat das große Ganze ihrer Pläne nicht immer im Blick. Allerdings kann sie sich so immer sehr schnell auf neue Situationen einlassen. Überhaupt ist sie in ihrem Tun zielstrebig, mutig und authentisch. Und so bleiben ihre Entwicklung und die Dinge, die Kira in Bewegung setzt, absolut logisch und nachvollziehbar.

Das Buch ist der Beginn einer Trilogie und auch die beiden weiteren Teile Closed Hearts und Free Souls sind bereits auf Englisch erhältlich. Zu einer deutschen Übersetzung der Mindjack Trilogy-Reihe ist mir leider nichts bekannt. Doch vielleicht traut sich ja der ein oder andere an die englische Ausgabe von Open Minds - die E-book-Version ist derzeit nämlich kostenlos erhältlich. Allerdings sollte man aufpassen: Wer kurz mal reinschnuppert, läuft Gefahr, sich festzulesen. Mit dem Effekt, dass man erst nach allen drei Büchern wieder aus Kiras Welt auftaucht.

Fazit: Eine wunderbare Idee, bei der ich gar nicht genug in die Köpfe von Readern und Jackern gucken konnte. Das Buch bietet nicht nur eine Menge Wendungen sondern auch eine mutige und tatkräftige Heldin. Aus meiner Sicht absolut empfehlenswert.