Nia

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~ Happy reading ~

 

 

Requiem - Lauren Oliver Fazit: 4,5 stars/Sterne

Achtung - Diese Rezension enthält Spoiler für die vorherigen Bände der Delirium Trilogy / Amor-Trilogie-Reihe.

Unmittelbar nach dem furiosen Ende von Pandemonium beginnt Requiem. Lena ist nun gleich mit zwei jungen Männern, die sie liebt, in der Wildnis. Doch im Gegensatz zu Julian, der Lena seine Zuneigung ungebremst zeigt, ist Alex völlig verändert - hart und schweigsam ignoriert er Lena fast vollständig. Die weiß überhaupt nicht, wie ihr geschieht und wie sie eine Aussprache mit ihm herbeiführen soll. Mehr oder weniger zufällig kommt es doch zu dem dringend notwendigen Austausch. Das Gespräch verläuft katastrophal und so beschließt Lena, sich - getreu Ravens Motto 'Die Vergangenheit ist tot' - künftig von Alex fernzuhalten.
Währendessen machen die Widerständler die schreckliche Entdeckung, dass die Regierung mit ihren Soldaten inzwischen in die Wildnis eindringt und allen Leuten, derer sie habhaft werden, den Garaus machen. Die Gruppe kommt bei einem Anschlag nur mit den Sachen am Leib davon und muss ohne Zelte und Vorräte Hilfe in einer großen Invalidensiedlung in Waterbury suchen. Was dann in Waterbury passiert, ändert manches...

Parallel begleiten wir in Requiem eine zweite Person. Von dieser will ich hier jetzt wirklich nur Bruchstücke verraten, um ihre Identität möglichst nicht preiszugeben (und hoffe, es gelingt). Jedenfalls wird es in dieser Erzählperspektive so richtig interessant: Der Leser erleben die Sicht einer geheilten Person. Die Person ist ruhig, friedlich und scheint auf den ersten Blick langweilig zu sein. Doch erstaunlicherweise erfahren wir dabei auch, dass nicht jede Heilung gleich 'gut' funktioniert. Besagte Person träumt beispielsweise immer noch und wird ihre Vergangenheit längst nicht so gut los, wie ihr das vielleicht lieb gewesen wäre. Von einem schlechten Gewissen geplagt und privaten Entwicklungen in ihrem Leben getrieben, macht die Person Dinge, die sie selbst nie für möglich gehalten hätte...
Verzeiht diese insgesamt eher kryptische Inhaltsangabe, aber es wäre einfach unfair, hier mehr zu verraten.

Es fällt mir schwer, meine eigene Meinung zu Requiem in geordnete Bahnen zu bringen und dabei nicht zu viel zu verraten. Das Buch ist, wie alle Bücher von Lauren Oliver, brillant geschrieben. Dass wir dieses Mal nicht nur Lena bei ihren Erlebnissen begleiten dürfen, ist ein feiner Kniff, der einem viel Information bringt und schnell eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Außerdem sorgen diese Kapitel für die dringend notwendige Entspannung von der Love Triangle Lena, Julian und Alex. Wobei es gar nicht mal das Dreieck ist, das einem beim Lesen zu schaffen macht, sondern der grausam zu lesende Versuch von Lena, sich selbst eine wichtige Wahrheit nicht einzugestehen. Natürlich ist sie nicht die Einzige, die darunter leiden muss. Und derjenige, der dabei das Nachsehen hat, tat mir fast das ganze Buch über einfach nur sehr leid. Denn sowohl Julian als auch Alex sind wirklich liebenswerte und tapfere Männer, die einfach das Pech hatten, sich in dieselbe junge Frau zu verlieben.

Requiem soll der Abschlussband der Delirium Trilogy / Amor-Trilogie sein. Nach dem Genuss dieses facettenreich geschrieben Buches bin ich mir da allerdings nicht so sicher. Obwohl sich die Handlungsstränge zum Ende hin wieder vereinen und auch einige Fragen aufgelöst werden, endet das Buch trotzdem extrem offen. Mir gefallen offene Enden, wenn sie logisch sind und viel Spielraum für eigene Gedanken bieten. Genau das ist hier der Fall.
Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass längst nicht jeder mit so einem eher unbefriedigenden Ende zufrieden ist. Denn natürlich ist es unbefriedigend, wenn man keine endgültige Aussage bekommt. Und dass auch noch zu mehreren Dingen und Personen. Aber so ist es nun mal und irgendwie finde ich das auch gar nicht schlecht und mutig von der Autorin. Die Frage ist allerdings, bleibt es dabei. Die ersten Gerüchte, dass noch ein weiteres Buch folgen soll, habe ich inzwischen schon gelesen. Ob etwas dran ist? Keine Ahnung. Aus jetziger Sicht finde ich eine Fortsetzung nicht erstrebenswert, eben weil das Ende der Reihe ganz anders ist, als man es erwartet hätte. Und anders und ungewöhnlich sind zwei Adjektive, mit denen man nicht jedes Buch beschreiben kann. Requiem steht dieses offene Ende.
Doch wenn es noch Dinge zu Lena und Co. gibt, die von Lauren Oliver erzählt werden wollen, werden wir es erleben.

Ein Hinweis noch zum Schluss. In den Büchern (nicht dem Ebook) gibt es eine Kurzgeschichte, die einen Teil der Handlung aus Alex Perspektive erzählt. Da ich noch auf meine Buchausgabe warte, kann ich nicht sagen, was und wie viel wir aus Alex Sicht erleben dürfen.